Goldene Straße

„Zur Wahl und Krönung sollen die Böhmenkönige in Zukunft auf dieser Straße ziehen“, so lautete die Anordnung des Böhmenkönigs und Deutschen Kaisers Karl IV. am 1. Januar 1367 in Heidingsfeld bei Würzburg kurz nach seiner ersten Krönung zum deutschen König in Bonn.

Gedacht war der Lehensbrief für alle künftigen Könige von Böhmen. Er verbot, dass der bisherige Verbindungsweg zwischen Prag und Nürnberg bei Strafe nicht über Pfraumberg, sondern von Kladrau aus über Tachau, Bärnau, Neustadt, Weiden und Hirschau in Richtung Sulzbach nach Nürnberg verlaufen solle. Karl wollte auf eigenem Boden von Prag nach Nürnberg und weiter nach Frankfurt reisen.

Der Begriff Goldene Straße ist historisch gesichert: Erstmals tauchte er in einem Bericht des Bärnauer Pflegers Hans von Uttelhofen im Jahre 1513 auf: „… königliche stras, die von Brage auß gen solt, (und auch) die Gulden Straß genant ist, die … uff Nurmberg zu geth“. Eine Urkunde aus dem Stadtarchiv Weiden, hierbei handelt es sich um einen Briefwechsel zwischen Tachau und Weiden, enthält ebenfalls den Namen „gulden stras“.

Geballte Geschichte auf rund 300 Kilometern Strecke

Die vom unteren Pegnitztal über den fränkischen Jura quer durchs Naabtal, den Oberpfälzer Wald, mit seiner höchster Erhebung von 697 Metern beim Grenzübergang Bärnau – der Pfraumberger Gürtel liegt immerhin 60 Meter niedriger – und dem böhmischen Hügelland mit den Flüssen Mies und Uslava, vorbei am Böhmischen Karst in das Moldautal führt.

Diese Fernverkehrsstraße blieb mit Änderungen vom Spätmittelalter bis an die Schwelle des 19. Jahrhunderts ein bedeutsamer Verbindungsweg zwischen Böhmen und Bayern. Die Goldene Straße, eine Reichsstraße, ein Handelsweg, in Tschechien auch „Kaiserstraße“ genannt, verkörperte die Anbindung Neuböhmens an das Königreich Böhmen.

Nicht immer goldene Zeiten

Hussitenkriege, der Landshuter Erbfolgekrieg, der Dreißigjährige Krieg, sie alle beeinträchtigten den Handel, trübten das Verhältnis zwischen Nürnberg und seinen Nachbarn in der Oberpfalz und Böhmen. So wurde die Goldene Straße nicht selten zur Heeresstraße für Soldaten. Besonders litten darunter die Städte, die Karl IV. einst förderte. Einquartierungen, hohe Kosten, Plünderungen, Brandschatzungen, Seuchen aller Art überfluteten die Orte, dezimierten die Bevölkerung. Doch die Goldene Straße überlebte diese Notzeiten. Leuchtendes Beispiel der Ort Rückersdorf bei Nürnberg, der um 1800 unter seinen 41 Anwesen noch 11 Fuhrmannswirtschaften zählte. 1615 eröffnete im Auftrag des Kaisers Generalpostmeister Freiherr Lamoral von Taxis einen Postkurs von Köln über Frankfurt, Nürnberg bis zur böhmischen Grenze. Ab dort bis Prag übernahm die Hofpost den Betrieb. Die Poststationen waren von Postreitern besetzt.

Mit dem Ende des ersten Weltkrieges und der Schaffung des Tschechoslowakischen Staates wurden leider viele Bande zerrissen. Das Pascherwesen erfuhr nun seinen Höhepunkt. Tabak, Vieh und andere Sachen wurden heimlich über die Grenze gebracht und manche humorvolle, aber auch traurige Episode ist davon festgehalten.

Vom Finden längst verloren geglaubter Gemeinsamkeiten

Vom 15. März 1939 bis zum Jahre 1945 wurde die deutsch – tschechische Geschichte mit Blut und Tränen geschrieben. Die Grenze, als Eiserner Vorhang bezeichnet, schien endgültig als trennende Linie gezogen zu sein und damit fanden die letzten Gemeinsamkeiten abrupt ein Ende. Bis zu jenem denkwürdigen 19. Mai 1990, als sich nach 45 Jahren erstmals wieder der Schlagbaum zwischen Böhmen und der Oberpfalz hob. Ob sich der Grundgedanke des „europäischen Kaisers Karl IV.“ „trans silvam beomicalem“ wieder aufgreifen lässt, wird an den Menschen hüben und drüben liegen.

Die Goldene Straße mit ihren Orten, mit den an ihr wohnenden Menschen hat schon vieles bewirkt. Noch immer bietet sie Motivation für die unterschiedlichsten Begegnungen und das Finden längst verloren geglaubter Gemeinsamkeiten.

Die Verbotenen Straße – die südliche Route der Goldenen Straße ist die wesentlich ältere Route der Goldenen Straße. Mit ihren 54 Kilometer von Hirschau bis Waidhaus fügt sie sich in die frühere Reichsstraße und heutigen B14 ein. Gelegentlich kommt zur Diskussion, der Begriff der Namensgebung „Verbotene Straße“ sei negativ besetzt. Dem muss klar widersprachen werden. Der Begriff ist  durch den renommierten Altstraßenforscher Anton Dollacker im 19. Jahrhundert geprägt worden. Dollacker bezog sich auf das Dekret Kaiser Karl IV., den Weg über Bärnau zu nehmen. Unter Strafe wurde die alte Trasse der heutigen Bundesstraße 14 von Hirschau bis Kladruby (Kladrau) verboten. Der Grund lag darin, dass der Kaiser auf seinem Weg von Prag nach Nürnberg auf eigenem Territorium und nicht durch das Gebiet der Leuchtenberger Burggrafen reisen wollte.

Text von Rainer J. Christoph, 1. Vorsitzender Förderverein Goldene Straße

Goldene Straße 11-11.FH10