Karl IV – Sein Leben

Der Kronensammler: Karl als Herrscher
Der eifrige „Kronensammler“, als den man Karl IV. bezeichnen könnte, wurde 1346 zum Gegenkönig Ludwigs des Bayern gewählt. 1347 folgte Karl seinem Vater als König von Böhmen nach. Dank päpstlicher Unterstützung, den plötzlichen Tod Ludwigs und Stimmenkauf konnte Karl den Kampf um die römisch-deutsche Königskrone gewinnen. Seine Krönung zum Kaiser 1355 erneuerte das Kaisertum im Heiligen Römischen Reich. Was Karl besonders auszeichnete, war seine hohe Bildung, die ihn zu einem Kaiser nicht nur des Schwertes, sondern auch der Feder machte. Er verfasste unter anderem eine Autobiografie. Karl hat die politischen und finanziellen Mittel seiner Zeit geschickt und erfolgreich gehandhabt. Er war fromm und berechnend zugleich, manchmal skrupellos: 1348/49 kam er seiner Schutzverpflichtung gegenüber den Juden als „Königlichen Kammerknechten“ in den Reichsstädten nicht nur nicht nach, sondern profitierte noch finanziell und politisch von den Pogromen der Pestzeit. Karl war zudem ein passionierter Reliquiensammler und großzügiger Stifter. Seine Hofkultur strahlte in die Länder der böhmischen Krone und in das Reich aus und zog Künstler aus vielen europäischen Regionen nach Prag.

Prag und „Neuböhmen“
Karl förderte besonders sein Königreich Böhmen: Er machte Prag durch die Gründung der Neustadt zu einer der größten Städte Europas. Mit der Erhebung Prags zum Erzbistum und mit der Gründung der ersten Universität in Mitteleuropa 1348 entstand eine glanzvolle Residenzstadt. Heute zählt das historische Zentrum Prags – auch wegen der Bauten aus Karls Zeit, wie der steinernen Karlsbrücke und dem Veitsdom – zum  UNESCO-Weltkulturerbe. Der Herrschaftsbereich des Königreichs Böhmen reichte mit dem so genannten „Neuböhmen“  bis kurz vor die Tore der Reichsstadt Nürnberg. Die Heirat mit Anna von der Pfalz und auch die notorische Finanznot der pfalzgräflichen Familie verschafften Karl großen Landbesitz westlich des Böhmerwalds. Obwohl bereits unter Karl ein Teil „Neuböhmens“ wieder an die Wittelsbacher verpfändet wurde – Karl finanzierte damit den Kauf der Mark Brandenburg –, blieb die „Goldene Straße“ zwischen Prag und Nürnberg eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen des Mittelalters.

Karl und das Reich
Karl hinterließ ein fundamentales Gesetzeswerk, das seit 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählt: Die nach dem verwendeten Siegel benannte Goldene Bulle von 1356. Als eine Art Reichsgrundgesetz regelte sie für viereinhalb Jahrhunderte den Ablauf der Wahl des Römischen Königs durch die Kurfürsten. Von den zentralen Orten des Reichs war ihm Nürnberg besonders wichtig. Die Stadt diente ihm als zweite Residenz und wurde von ihm nachdrücklich gefördert. Er hat sich hier nach Prag am häufigsten aufgehalten, in Nürnberg wurde auch sein Thronfolger Wenzel geboren.

Vita

Junge Jahre: 1316 geboren am 14. Mai in Prag als ältester Sohn des böhmischen Königs Johann von Luxemburg  und dessen Frau Elisabeth, einer Angehörigen des in männlicher Linie erloschenen böhmischen Přemyslidengeschlechts. Taufe auf den Namen Wenzel. 1323 Wie die vorangegangenen beiden Generationen von Herrschern aus dem Haus der Luxemburger wird er zur Erziehung an den französischen Hof geschickt und erhält von seinem Firmpaten, dem französischen König Karl IV., den Namen Karl. Im selben Jahr heiratet er die gleichaltrige Margarete „Blanche“ von Valois. Die für die damaligen Verhältnisse außergewöhnlich umfassende  Erziehung im Umfeld des französischen Hofes prägt ihn nachhaltig und  beeinflusst seine politischen und religiösen Anschauungen sowie seine spätere künstlerische Repräsentanz als Herrscher. 1331 beordert Johann II. seinen Sohn in der Absicht, die oberitalienischen Signorien unter luxemburgische Oberherrschaft zu bringen, nach Italien. Karl kann dessen Vorhaben dort nicht umsetzen, bewährt sich jedoch als väterlicher Statthalter und Markgraf von Mähren in seiner böhmischen Heimat und ist auf Grund einer zunehmend selbstständigen Politik maßgeblich am großen Friedensvertrag zwischen Böhmen und Polen beteiligt. 1340 erblindet Johann völlig und überträgt Karl de facto die Herrschaft über die luxemburgische Hausmacht.

Krönung zum König und die ersten Jahre an der Macht: 1344 Karl lässt Prag zum Erzbistum erheben. 1346 Am 11. Juli wird Karl mit päpstlicher Unterstützung zum römisch-deutschen (Gegen-)König des vom Papst gebannten Kaisers Ludwig des Bayern gewählt. Nachdem Karl am 26. November in Bonn „am falschen Ort“ zum römisch-deutschen König gekrönt wird, bleibt ihm die Anerkennung eines Großteils der Reichsfürsten und -städte weiterhin verwehrt. 1347 stirbt Ludwig der Bayer überraschend und es gelingt Karl nun, durch geschickte Verhandlungen und  unter Einsatz großer Geldsummen aus Reichsgut, sein römisch-deutsches Königtum zu stabilisieren. Am 2. September wird Karl zusätzlich auch in Böhmen in der Nachfolge seines Vaters, der 1346 als Verbündeter der Franzosen bei Crécy  den Tod gefunden hatte, zum König gekrönt. 1349 wird Karls Königtum durch eine zweite Wahl in Frankfurt und Krönung in Aachen in formaler Hinsicht von den Kurfürsten bestätigt. Die ersten Jahre seiner Regierung wurden durch schwere Krisen gekennzeichnet: 1347-50 wütet der Schwarze Tod in Europa, ein Drittel der Gesamtbevölkerung kommt um. In der Folge auftretende Judenpogrome verhindert Karl nur in seinen eigenen Landen, profitiert allerdings in politischer und finanzieller Hinsicht von den Pogromen in anderen Städten des Reiches. 1348 Karl ordnet umfassende Neuerungen in seiner Residenzstadt Prag an. Er gründet unter anderem die erste Universität als erste nördlich der Alpen und östlich des Rheins. Mit dem Bau der Prager Neustadt und markanten Bauwerken wie der steinernen Karlsbrücke und dem Veitsdom wird die Stadt unter Karls Fürsorge zu einem kulturellen Mittelpunkt und einer der größten Städte Europas im Spätmittelalter. 1349 heiratet Karl seine zweite Frau Anna von der Pfalz und legt so den Grundstein für den Erwerb oberpfälzischer, später als „Neuböhmen“ bezeichneter Gebiete bis vor die Tore Nürnbergs. Die Verbindung mit den Wittelsbachern fördert zudem den Ausgleich mit seinen stärksten Gegenspielern unter den deutschen Fürsten. 1353 Karls Heirat mit Anna von Schweidnitz rundet die böhmischen Besitzansprüche in Schlesien ab. 1355 6. Januar Krönung zum König der Lombardei in Mailand, 5. April durch die Krönung zum Kaiser in Rom durch einen Kardinal Papst Innozenz‘ VI. erneuert er das Kaisertum mit päpstlicher Zustimmung, verzichtet aber weitgehend auf faktische Herrschaft in Reichsitalien. Inkorporation Schlesiens, der Lausitzen und „Neuböhmens“ in die Länder der böhmischen Krone. Scheitern von Karls Landesgesetzbuch an der Opposition des böhmischen Adels.

Goldene Bulle und Machtexpansion: 1356 Mit der Verabschiedung der Goldenen Bulle in Nürnberg und Metz schuf Karl ein Werk, das als eine Art „Grundgesetz“ des Heiligen Römischen Reiches gilt und über 450 Jahre Gültigkeit haben sollte. Die Bulle setzte Zusammensetzung und Rechte der Kurfürsten fest und regelt das Wahlverfahren des römisch-deutschen Königs so, dass Doppelwahlen sowie der päpstliche Approbationsanspruch ausgeschlossen wurden. 1353-58 baut er sein Machtzentrum in der Oberpfalz und Mittelfranken weiter aus. Wichtiger Bestandteil war dabei eine enge Zusammenarbeit mit der kaufmännischen Oberschicht der Handels- und Eisengewerbestadt Nürnberg. Durch geschickte Diplomatie umfangreich abgesichert überstand er Konflikte mit  den Wittelsbachern und seinem eigenen Schwiegersohn Herzog Rudolf IV. von Österreich. 1361 Mit der Geburt Wenzels am 26. Februar erfüllte sich der Wunsch Karls IV. nach einem Erben seines Reichs. 1363-64 Eine neu gebildete Koalition Ungarns und Polens mit den Wittelsbachern entkräftete er wiederum durch geschickte Heiratspolitik, welche seine Regentschaft entscheidend mitprägte. Er heiratet nach dem Tod seiner dritten Frau Anna von Schweidnitz Elisabeth von Pommern, eine Enkelin des Königs von Polen. 1365 In der Absicht, seine Ansprüche und die seines Reiches in der Provence und den Grafschaften von Vienne und Dauphiné zu unterstreichen, zog er an den Hof der „im Exil“ in Avignon residierenden Päpste und ließ sich in Arles zum König von Burgund krönen.

Spätphase: 1368-69 Seinem Ruf als „Pfaffenkönig“ folgend galt ein Romzug der Unterstützung einer päpstlichen Rückkehr nach Rom; dieses Vorhaben misslang jedoch. 1363-73 widmet er sich zunehmend dem wirtschaftlichen Aufbau seiner für die böhmische Krone erworbenen Territorien. 1373 Erwerb der Mark Brandenburg und damit einer zweiten Kurstimme für die Luxemburger unter Aufwendung erheblicher Geldsummen. Mit der Zusammenstellung der Landbuchs der Mark Brandenburg schafft Karl auch hier wie zuvor in „Neuböhmen“ die Grundlage für geordnetes Verwalten und Wirtschaften. 1376 gelang es Karl IV. durch Aufbringung erheblicher Bestechungsgelder, seinen Sohn Wenzel von den Kurfürsten zum römisch-deutschen König wählen zu lassen. Dieser hatte den böhmischen und römischen Thron 22 Jahre lang inne, bis ihn die Kurfürsten 1400 seines Amtes im Reich enthoben. 1377/78 letzte Reise Karls mit Wenzel an den französischen Königshof. 1378 Der Tod Karls IV. am 29. November gilt als einer jener politischen Umstände, die zusammen mit ständepolitischen Spannungen, wirtschaftlichen Verwerfungen sowie einem Papstschisma die große Krise des Spätmittelalters auslösten.

Erbe: Karls Söhne Wenzel und Sigismund waren trotz oder angesichts der immensen territorialen Hausmacht, die ihnen ihr Vater hinterließ, nicht fähig, dessen politische Vormachtstellung zu bewahren. Mit Sigismund erlosch die luxemburgische Dynastie, letztlich beerbt von den Habsburgern, die unter Einbeziehung des von Karl geschaffenen Hausmachtkonglomerats  ihr mitteleuropäisches Großreich errichteten und das Kaisertum bis zum Ende des Alten Reiches 1806 behaupteten.

Zusammenstellung: Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG)